Im Rahmen unserer Philippinenreise gab es einen Vortrag über die Organisation Kadamay.

Das Büro der Organisation, welche Mitglied im Gewerkschaftsdachverband KMU ist, befindet sich in Payatas, einer Siedlung der „urban poor“ in Manila.

Vor den winzigen Häusern und Läden spielen einige Kinder. Unser Gastgeber hat seine beiden kleinen Söhne bei sich. Wir schenken dem etwa dreijährigen, älteren Jungen ein leeres Notizbuch, in dem er sogleich mit Begeisterung herum kritzelt.

In dem Raum, in dem wir uns treffen, steht ein Gemälde, das Nanay Mameng abbildet, eine Lehrerin, die sich für die in Payatas lebenden Kinder engagiert hat. Sie ist heute 87 Jahre alt. In der Nähe von Payatas befand sich eine Müllhalde, dessen Spitze im Jahr 2000 durch lang anhaltende Regenfälle abgebrochen ist und einen Teil des Viertels unter sich begraben hat. Zwei Drittel der Kinder aus Nanay Mamengs Klasse kamen bei dem Unglück ums Leben.

Kadamay verkauft T-Shirts, welche ein Portrait der Lehrerin abbilden.

 

Kadamay ist in neun der insgesamt 16 Regionen der Philippinen aktiv und hat etwa 100000 Mitglieder. Es gibt eine unterschiedliche Beitragsstaffelung. Im Schnitt werden fünf Pesos pro Person pro Monat erhoben. Des Weiteren führen sie Spendensammlungen durch und bitten Kirchen- und Regierungsleute um Unterstützung. Ihr Büro in Payatas wird von einer italienischen NGO finanziert.

Kadamay wurde im November 1998 gegründet, um die rapide Verschlechterung der miserablen Bedingungen der städtischen Armut anzugehen und Kampagnen für ihre Forderungen nach Lebensunterhalt, Behausung und soziale Dienstleistungen durchzuführen. Die hauptsächlichen Ziele von Kadamay bestehen in der Weckung, Organisierung und Mobilisierung von Betroffenen der städtischen Armut, um in den Gemeinden für ihre grundlegenden Menschenrechte zu kämpfen. Ihre Mission besteht in einer neuen und demokratischen Gesellschaft für die städtische Armut und den Rest des Volkes.

Zurzeit besteht der Sektor der städtischen Armut aus mehr als 30 Millionen Menschen. Er konzentriert sich in mehr als 600 Gemeinden im ganzen Land. Sie setzen sich zusammen aus ArbeiterInnen und so genannten angelernten ArbeiterInnen, die unter extremer Armut leiden.

Viele von ihnen sind arbeitslos oder haben keine reguläre Anstellung. Einige verdienen sich als StraßenverkäuferInnen oder durch den Verkauf von selbst hergestellten, kleinen, kunsthandwerklichen Gegenständen einige Pesos am Tag. In Manila gibt es etwa eine halbe Million Straßenkinder.

Von einem Hausbauprogramm sind 200000 Familien in Payatas betroffen. Sie sollen umgesiedelt werden und befürchten eine Verschlechterung ihrer Lebensbedingungen.

Ein kurzer Film von 2014 über eine Siedlung, die abgerissen werden soll, wird gezeigt. Er zeigt das brutale, rigorose Vorgehen der Polizei, aber auch den Widerstand einiger mutiger BewohnerInnen.

 

Im Oktober war in der linken philippinischen Zeitung Bulatlat von einer größeren Demonstration zu lesen, die zu Verhandlungen mit der Regierung führten.

Letztendlich hat die Regierung einen Vertrag unterzeichnet, aus dem hervorgeht, dass BewohnerInnen nur dann umgesiedelt werden dürfen, wenn sie als Ersatz gleichwertige neue Wohnungen erhalten. Die Entwicklungen der nächsten Zeit werden zeigen, ob sich etwas zum Positiven verändern wird.

Die Organisation der städtischen Armut, Kadamay – Reisetagebuch von Stefanie – 2016