Als PDF Download: Korrespondenz zum mutigen Streik bei NutriAsia

 

Heidelberg, den 29.06.18 (Arbeiterkorrespondenz): seit dem 02. Juni 2018 stehen die Arbeiter/innen von NutriAsia in Marilao, Bulacan im Streik für Festanstellung, Zulagen, Lohnerhöhungen und für die Rücknahme von Einkommenskürzungen.

Bei NutriAsia handelt es sich um den größten Hersteller von flüssigen Gewürzen wie z.B. Soja- und Fischsaucen in den Philippinen. Er befindet sich im Besitz der philippinisch-chinesischen Geschäftsmannes Joselito Campos. 2015 erzielte das Unternehmen ein Einkommen von 276.828.588.800 Milliarden €. Es vertreibt und verkauft Produkte in Europa, Mittel-Ost, Asien, Pazifik und Nord-Amerika. Von den 1.400 Arbeiter/innen sind nur 100 festangestellt. Der Rest ist bei sechs Unterfirmenagenturen beschäftigt.

Nach dem 50 Arbeiter/innen gekündigt worden sind, weil sie sich an einer Protestaktion gegen die Entlassung von 5 Gewerkschaftsfunktionären/innen und Mitglieder beteiligt hatten, traten die Arbeiter/innen in den Streik. Das Vergehen der 50 Gekündigten: sie hatten nur zusammen in die Hände geklatscht. Bei NutriAsia müssen Arbeiter/innen bis zu 12 Stunden arbeiten, Überstundenbezahlung ist nicht regulär und sie erhalten weniger für das 13. Monatsgehalt. Die Arbeitsbedingungen führen zu Unfällen und lösen Krankheiten aus.

Am 28.02.18 hatte das regionale Büro des Arbeitsministeriums eine Anordnung erlassen, wonach NutriAsia 914 seiner Arbeiter/innen fest anstellen sollte. Außerdem wurde von ihm festgestellt, dass sich NutriAsia nicht an die Arbeits- und Berufssicherheitsstandards hält. Das Management weigerte sich jedoch, diese Anordnungen umzusetzen, weil die streikenden Arbeiter/innen nicht bei ihm, sondern bei einem anderen Betrieb, einer Verpackungsfirma angestellt seien.

Seit Beginn des Streiks wurden dann Polizei- und Spezialkräfte zusammengezogen und die Streikpostenkette in verschiedener Art und Weise provoziert. Am 12. Tag des Streiks dann der vorläufige Höhepunkt: mit 200 örtlichen Polizeikräften und einem massiven Einsatz von Gewalt wie Rattanholzstöcken und Schlagstöcken wird die Streikkette am 14.06.18 gebrochen. 19 Arbeiter/innen und ein studentischer Unterstützer werden inhaftiert, etliche verletzt.

Daraufhin rufen verschiedene Bürger/innen zum Boykott von NutriAsia Produkten auf. Das wichtigste ist jedoch, dass die Arbeiter/innen an ihrem Streik festhalten.

Sie lassen sich durch die massive Gewalt nicht aufhalten. Am 16. Juni 2018 stellen sie ihre Streikpostenkette erneut auf. Mitglieder der fortschrittlichen Parteilisten und von Organisationen wie der KMU (Gewerkschaftsbewegung des 1. Mai) unterstützen durch ihre Anwesenheit persönlich die Streikenden. Und sie schalten den stellvertretenden Arbeitsminister Joel Maglunsod (eine der wenigen verbliebenen fortschrittlichen Minister in der reaktionären Duterte-Regierung ein. Er ermutigt die Arbeiter/innen, ihren Streik fortzusetzen. Die Polizei aber missachtet das Recht der Streikenden und bleibt vor Ort.

Es entwickelt sich eine breite Solidarität. So kommen am 23. Juni 2018 Organisationen und Einzelpersonen aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen zusammen, zeigen ihre Solidarität und fordern die Öffentlichkeit auf, NutriAsia Produkte zu boykottieren.

Folgende Aussage bringt die Bedeutung dieses wichtigen Streiks prägnant zum Ausdruck:

Für sie (die Streikenden und ihre Unterstützer/innen) geht es nicht länger nur um Löhne – es geht um einen größeren Kampf, den sie gewinnen müssen, um ihre Würde de Arbeiter/innen zurück zu bekommen, nachdem solange darauf herumgetrappelt worden ist.

Solidaritätserklärungen an:  kmu.intl@gmail.com

Zum mutigen Streik bei NutriAsia (Philippinen): Es geht um die Wiederherstellung der Würde der Arbeiter/innen!