Rainer Werning – Philippinen: 15 Monate Dutertismo

Annäherungen an ein philippinisches Phänomen

Von Rainer Werning

Vorbemerkung

Der seit Ende Juni 2016 amtierende 16. Präsident der Philippinen, Rodrigo R. Duterte, polarisiert die Gesellschaft des Inselstaates wie kein Politiker vor ihm. Für seine Anhänger ist „Rody“ oder „Digong“, wie er von ihnen liebevoll genannt wird, ein „langersehnter Messias“. Seine Gegner und Kritiker sehen in ihm indes einen mit hoher krimineller Energie aufgeladenen „Macho-Haudegen“ oder einen „Soziopathen“.

Den Politikstil des Präsidenten bezeichne ich als Dutertismo, der sich wie folgt charakterisieren lässt: Es ist dies ein Politikstil, der sich durch bizarres Mäandrieren zwischen populistischem, mitunter finster reaktionärem Poltern und links drapiertem Habitus auszeichnet. Inszeniert wird diese Pendelpolitik gemäß knallhartem Machtkalkül oder sie geschieht in impulsivem Stakkato.

Entstehung und Ausprägung des Dutertismo

Gedeihen konnte der Dutertismo im Klima von Zerstörung und Gewalt in Südostasiens ältester Konfliktregion – Mindanao und der Sulu-See – sowie im Ausgang einer vor drei Jahrzehnten zelebrierten „Revolution“, die sich letztlich als Machtrochade entpuppte.

Ende Februar 1986 fand die Herrschaft von Ferdinand E. Marcos (1965-86) und seiner Klientel im Zuge der national wie international überschwänglich gefeierten „People Power“ zwar ein Ende. Doch in den Präsidentenpalast Malacañang zog als dessen Nachfolgerin mit Corazon C. Aquino ein Spross der landesweit mächtigsten Clans und Feudaldynastien ein. In den Sattel gehoben von den vormaligen Korsettstangen des Marcos-Regimes: Fidel V. Ramos, langjährig Chef der gefürchteten Philippine Constabulary-Integrated National Police, der Vorläuferin der heutigen Philippinischen Nationalpolizei (PNP), und Verteidigungsminister Juan Ponce Enrile.

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NachDenkSeiten – Rainer Werning – 15 Monate Dutertismo

15 Monate Dutertismo – Annäherungen an ein philippinisches Phänomen

http://www.nachdenkseiten.de/wp-print.php?p=40495

Von Rainer Werning

Vorbemerkung

Der seit Ende Juni 2016 amtierende 16. Präsident der Philippinen, Rodrigo R. Duterte, polarisiert die Gesellschaft des Inselstaates wie kein Politiker vor ihm. Für seine Anhänger ist „Rody“ oder „Digong“, wie er von ihnen liebevoll genannt wird, ein „langersehnter Messias“. Seine Gegner und Kritiker sehen in ihm indes einen mit hoher krimineller Energie aufgeladenen „Macho-Haudegen“ oder einen „Soziopathen“.

Den Politikstil des Präsidenten bezeichne ich als Dutertismo, der sich wie folgt charakterisieren lässt: Es ist dies ein Politikstil, der sich durch bizarres Mäandrieren zwischen populistischem, mitunter finster reaktionärem Poltern und links drapiertem Habitus auszeichnet. Inszeniert wird diese Pendelpolitik gemäß knallhartem Machtkalkül oder sie geschieht in impulsivem Stakkato.

Entstehung und Ausprägung des Dutertismo

Gedeihen konnte der Dutertismo im Klima von Zerstörung und Gewalt in Südostasiens ältester Konfliktregion – Mindanao und der Sulu-See – sowie im Ausgang einer vor drei Jahrzehnten zelebrierten „Revolution“, die sich letztlich als Machtrochade entpuppte.

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Rainer Werning – Vollständiges Interview mit Joma Sison: „Militaristen setzen auf Kapitulation der NDFP“

 

José Maria Sison (78) im Exklusiv-Interview mit Rainer Werning über den philippinischen Präsidenten Rodrigo R. Duterte und die Perspektiven des Landes – Stand: 10. August 2017.

 

(RW): Vor einem Jahr tauschten Sie und Herr Duterte Nettigkeiten über Skype aus und die Erwartungen für politische Veränderungen waren sehr hoch. Wie war der Mann einst unter Ihrer Anleitung als Student?

(JMS): Als ich mit Duterte am 25. April 2016, noch vor der Präsidentschaftswahl (am 9. Mai – RW), eine Skypekonferenz hatte, erklärte er, der erste linke Präsident der Philippinen werden zu wollen. Er sei kein Kommunist, verstehe sich aber als Sozialist.

 

Eine Woche nach seiner Wahl sandte ich Fidel Agcaoili (Chef des NDFP-Friedensverhandlungsteams – RW) zu Direktgesprächen mit Duterte in die Philippinen. Dabei versprach der Präsident, alle von der NDFP aufgelisteten politischen Gefangenen freizulassen. Duterte bot sogar an, vier Repräsentanten der CPP in sein Kabinet aufzunehmen, um die

Ministerien für Arbeit, Agrareform, Umwelt und Soziales zu leiten. Aber ich erklärte ihm, er solle besser Personen ernennen, die sich durch besondere Leistungen hervorgetan haben, patriotisch und fortschrittlich sowie kompetent und gewissenhaft sind. Ich ließ ihn ferner wissen, dass es zunächst darum gehe, zwischen der NDFP, einschließlich der CPP, und der Regierung erfolgreiche Friedensverhandlungen zu führen. CPP-Vertreter im Kabinett, die vor einem Erfolg der Verhandlungen ernannt wären, erweckten den Anschein eines Ausverkaufs.

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Junge Welt – Rainer Werning – Mit Dutertes Segen

Tageszeitung junge Welt / Berlin

Gegründet 1947 – Sa. / So., 23. / 24. September 2017, Nr. 222

Seite 6 / Ausland

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Mit Dutertes Segen

Oppositionsbündnis protestiert gegen philippinischen Präsidenten

Von Rainer Werning

Feuriger Widerstand: Der philippinische Präsident Duterte

stand im Mittelpunkt der Kritik am Donnerstag in Manila

Foto: Romeo Ranoco/Reuters

Am Donnerstag, dem 21. September, jährte sich in den Philippinen zum 45. Mal die landesweite Verhängung des Kriegsrechts durch den damaligen Präsidenten Ferdinand E. Marcos. Just an diesem Tag hatten die Organisatoren der erst Ende August gegründeten »Bewegung gegen Tyrannei« landesweit zu Großdemonstrationen gegen die Regierung des knapp 15 Monate amtierenden Präsidenten Rodrigo R. Duterte aufgerufen. Zehntausende waren dem Appell gefolgt. Auch in Manilas ausladendem Rizal-Park skandierten die meist schwarz gekleideten Menschen Parolen wie »Nie wieder Kriegsrecht!«, »Schluss mit Tötungen – Stopp der außergerichtlichen Hinrichtungen!« und »Nieder mit dem faschistischen US-Duterte-Regime!« Ihr Protest richtete sich gegen den desaströsen »Antidrogenkrieg« Dutertes mit bereits annähernd 13.000 Opfern, das seit dem 23. Mai für den gesamten Süden geltende Kriegsrecht und eine schleichende Faschisierung. Unweit des Präsidentenpalastes hatten sich Tausende Gegendemonstranten in vorwiegend grünen und organgefarbenen T-Shirts versammelt, um ihrem Idol »Digong« oder »Rody«, wie Duterte von seinen Anhängern genannt wird, zuzujubeln.

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DPF unterstützt Protestbrief: Release of Bishop Carlo Morales and of Romel Salinas

Draft letter to President Duterte/Philippines

with copies to the Embassy of the Philippines and

to the Foreign Office of the Federal Republic of Germany

 

Mr. President,

with grave concern and dismay we, the undersigned organisations in Germany, learn from our partners in the Philippines, that Bishop Carlo Morales, IFI Bishop of Ozamiz, and Mr. Romel Salinas, NDFP Consultant and JASIG Card Holder, have been imprisoned since May 12, 2017, for allegedly possessing illegal firearms and a grenade, and still are imprisoned without valid charge.

From credible witnesses we know, that army and police separated the accused from their luggage and smuggled the incriminated arms into their belongings.

As you know, not only the clergy of the Iglesia Filipina Independiente, but also the National Council of Churches in the Philippines, the United Church of Christ in the Philippines, the Episcopal Church in the Philippines, the Ecumenical Bishops Forum, the National and Regional KARAPATAN, The UPLM, the NUPL, the Christian Conference of East Asia, the United Church in Canada, the Anglican Communion, the World Council of Churches and various other organisations requested the immediate release of Bishop Morales and Mr. Salinas.

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Junge Welt – Rainer Werning – Druck auf Duterte wächst

Tageszeitung junge Welt / Berlin
Gegründet 1947 – Donnerstag, 31. August 2017, Nr. 202
Ausgabe vom 31.08.2017, Seite 6 / Ausland
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Ein breites Bündnis will mit der »Bewegung gegen Tyrannei« dem
staatlichen Morden in den Philippinen Einhalt gebieten

Von Rainer Werning

Gegen Polizeigewalt: Demonstration gegen die Regierung von
Rodrigo Duterte am 24. Juli in Quezon City
Foto: Erik De Castro/Reuters

Dieser Tag könnte in die Geschichte eingehen. Am vergangenen Montag, dem
28. August 2017, formierte sich in Quezon City im Großraum Manila die »Bewegung gegen Tyrannei« (MAT). Den Startschuss dazu hatten namhafte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sowie bekannte Kirchenleute, Medienschaffende und Akademiker gegeben. Gleichzeitig veröffentlichten die MAT-Initiatoren ein Manifest mit dem Titel »Stoppt das Töten, widersetzt euch der Tyrannei!«

MAT versteht sich als ein Netzwerk fortschrittlicher Gruppen verschiedener Bereiche, das sich verstärkt gegen den »desaströsen Antidrogenkrieg« von Präsident Rodrigo Duterte und eine schleichende Faschisierung des Landes engagieren will. Seit Dutertes Amtsantritt am 30. Juni 2016 sind zwischen 8.000 und 10.000, einige Quellen sprechen bereits von 13.000 Menschen im Zuge des »Antidrogenkrieges« Opfer sogenannter außergerichtlicher Hinrichtungen geworden. Fast durchgängig traf es arme Schlucker aus Elendsquartieren, die von Einheiten der Nationalpolizei bzw. Vigilanten als Drogendealer oder –konsumenten verdächtigt buchstäblich exekutiert wurden. Das, merkte die auch international bekannte philippinische Benediktinerin, Schwester Mary John Mananzan, gegenüber jW an, »ist eine gewaltige Zahl, die bereits jetzt die Zahl der Opfer unter dem Kriegsrecht von Ferdinand Marcos übersteigt«. Die streitbare Nonne war damals im Widerstand gegen die Diktatur Marcos’ zwischen 1972 und 1981 aktiv und zählt zu den Mitinitiatoren von MAT.

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Junge Welt – Rainer Werning – Vorbild für US-Krieger

Tageszeitung junge Welt / Berlin
Gegründet 1947 – Mittwoch, 23. August 2017, Nr. 195
Ausgabe vom 23.08.2017, Seite 7 / Ausland
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Vorbild für US-Krieger

Was Donald Trump vergaß – Anmerkungen zu General John J. Pershing,
dem „Schlächter der Moros“

Von Rainer Werning

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US-Imperialismus in der Karibik: Karikatur mit Präsident
Theodore Roosevelt und „seinem großen Stock“
Foto: William Allen Rogers Courtesy of Granger Collection [Public
domain], via Wikimedia Commons

Es gibt kaum einen Ort in den Philippinen, dessen Zentrum ohne eine Plaza Rizal auskäme. Der auf dem Archipel als Nationalheld verehrte José Rizal ist Namensgeber dieser öffentlichen Plätze. Einzig in der südwestlichen Stadt Zamboanga hat Rizal einen sonderbaren „Rivalen“. Dort grenzt die Plaza Rizal unmittelbar an die Plaza Pershing. Was älteren, geschichtsbewussten Stadtbewohnern missfällt – aus gutem Grunde.

Geboren wurde John Joseph Pershing am 13. September 1860 im US-Bundesstaat Missouri. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass der junge John Joseph später einmal Missouris zweitbekanntester Sohn werden sollte – ausgerechnet nach dem international gefeierten Starautor, Pazifisten und von 1901 bis zu seinem Tode 1910 amtierenden Vizevorsitzenden der American Anti-Imperialist League, Samuel Langhorne Clemens alias Mark Twain. Während Pershing als Haudegen Karriere machte, mutierte der Schriftsteller Mark Twain in seinen letzten Lebensjahren zum Antiimperialisten, dem die Kolonialpolitik seines Landes zutiefst zuwider war.

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Junge Welt – Rainer Werning – Interview mit Joma Sison: »Militaristen setzen auf Kapitulation der NDFP«

Tageszeitung junge Welt / Berlin
Gegründet 1947 – Sa. / So., 12. / 13. August 2017, Nr. 186
Ausgabe vom 12.08.2017, Seite 8 / Ausland
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»Militaristen setzen auf Kapitulation der NDFP«

Philippinen: Friedensverhandlungen zwischen Regierung und
linkem Untergrundbündnis drohen zu scheitern. Gespräch mit José Maria Sison

Interview: Rainer Werning

»Erster linker Präsident« der Philippinen? Hat nicht geklappt. Rodrigo Duderte im Polizeihauptquartier in Quezon City am 9. August // Foto: Romeo Ranoco/Reuters

José Maria Sison war Ende 1968 Gründungsvorsitzender der Kommunistischen Partei der Philippinen (CPP), die zusammen mit ihrer Guerilla der Neuen Volksarmee (NPA) Teil des linken Untergrundbünisses der Nationalen Demokratischen Front (NDFP) ist. Er lebt seit 30 Jahren im niederländischen Utrecht im Exil, von wo aus er als politischer Chefberater der NDFP fungiert

Vor einem Jahr tauschten Sie und Herr Duterte Nettigkeiten über Skype aus, und die Erwartungen für politische Veränderungen waren doch sehr hoch.

Als ich mit Duterte am 25. April 2016, noch vor der Präsidentschaftswahl (am 9. Mai, jW), eine Skype-Konferenz hatte, erklärte er, der erste linke Präsident der Philippinen werden zu wollen. Er sei kein Kommunist, verstehe sich aber als Sozialist.

Eine Woche nach seiner Wahl sandte ich Fidel Agcaoili (Chef des NDFP-Friedensverhandlungsteams, jW) zu Direktgesprächen mit Duterte in die Philippinen. Dabei versprach der Präsident, alle von der NDFP aufgelisteten politischen Gefangenen freizulassen.

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