Im Geschichtstest durchgefallen! Parlamentsrede der Senatorin Risa Hontiveros anlässlich der Entscheidung des Obersten Gerichtshofes zur Erlaubnis der Beisetzung von Marcos auf dem Heldenfriedhof

8. November 2016

Herr Präsident,

ich ergreife das Wort in einer Angelegenheit persönlicher und kollektiver Ehre.

Ich ergreife das Wort im Namen von Susan Quimpo, eines vorpubertären Mädchens während der frühen Jahre des Kriegsrechts, das seine Wochenenden damit verbrachte, gekochten Reis für Inhaftierte in Gefängnissen für politische Gefangene zu verpacken. Fünf ihrer Geschwister waren während des Kriegsrechts inhaftiert – allesamt studentische Aktivisten der Untergrundbewegung. Ihr Bruder Nathan wurden von seinen Häschern nackt ausgezogen und mehrmals mit einem Schlagstock verprügelt. Ihrem Bruder Jan – und ich zitiere aus ihrem Buch ‚Subversives Leben‘ – „wurde der Kopf wiederholt in einen mit Urin gefüllten Nachttopf getaucht, in seine Hoden wurde Wasser gespritzt und seine Füße wurden mit Strom führendem Draht  berührt und zerstochen.“

Jan Quimpo gehört in die Reihe der Verschwundenen und beim letzten Gespräch, das Susan mit ihm hatte, hat er sie darum gebeten, ihm etwas für das Abendessen zu zurück zu lassen. Jun, ein weiterer Bruder, wurde 1981 in Nueva Ecija erschossen.
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junge Welt – Rainer Werning – Untoter Despot

Tageszeitung junge Welt / Berlin

Gegründet 1947 – Sa. / So., 19. / 20. November 2016, Nr. 269

Ausgabe vom 19.11.2016, Seite 8 / Ansichten

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https://www.jungewelt.de/2016/11-19/040.php

 

Untoter Despot

Ehrengrab für Ferdinand Marcos

 Von Rainer Werning

 

2.000 Sicherheitskräfte sicherten den Friedhof ab und hielten Journalisten und Demonstranten fern  //  Foto: Romeo Ranoco/Reuters

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Heldenbegräbnis für Diktator

 Praktisch ohne Vorankündigung ist der ehemalige philippinische Diktator Ferdinand Marcos am Freitag auf dem Heldenfriedhof in Manila beigesetzt worden. Mehr als 25 Jahre lang hatten Opfer der Marcos-Diktatur das Heldenbegräbnis verhindert. Imelda Marcos ließ ihren Ehemann in dieser Zeit in einem Glassarg aufbahren. Dank Familienfreund und Präsident Rodrigo Duterte wurde der Widerstand nun ausgehebelt. (dpa/jW)

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Der 18. November 2016 wird sich allen Filipinos, die unter der langjährigen Herrschaft von Präsident Ferdinand E. Marcos (1965–1986) gelitten und gegen sie gekämpft haben, als pechschwarzer Tag ins Gedächtnis einbrennen. Für all jene, die gar ihr Leben verloren haben im Kampf gegen den größten Despoten, Kleptokraten und Lügner, den der Inselstaat jemals hervorgebracht hat, steht dieses Datum für eine infame Verhöhnung.

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