Viele warmherzige Worte sind bereits über den Genossen Fidel Agcaoili gesagt und geschrieben worden. Dem möchte ich hier nur knappe persönliche Skizzen hinzufügen.

Ich betrachte es als Ehre und Privileg, ihn vor genau 35 Jahren das erste Mal gesehen und persönlich kennengelernt zu haben. Es war im Frühjahr 1985, als wir uns das erste Mal im Office der Task Force Detainees (TFDP) unter Leitung der stets rührigen Schwester Mariani Dimaranan trafen. Über zehn Jahre hatte er zuvor in den Kerkern des Despoten Marcos Schmach, Erniedrigungen und Verletzungen physischer und psychischer Art erleiden müssen. Er machte einen sehr gelassenen, etwas schüchternen Eindruck.Erst viele Jahre später sahen wir uns wieder – diesmal jenseits seiner Heimat im fernen Westeuropa – besser: in den Niederlanden. Dort hatte Fidel wie zahlreiche seiner Genoss*innen Zuflucht gesucht und sich ganz in den Dienst der Nationalen Demokratischen Front (NDFP) gestellt. Intensive Gespräche konnten wir schon deshalb führen, weil Fidel wie ich gern mal eine Zigarette rauchte. Da gab es natürlich immer wieder diverse Möglichkeiten oder auch Ausflüchte, um Zigarettenpausen zu erbitten. Dabei tauchte eine andere Facette Fidels auf: Er liebte es zu scherzen, hatte einen guten Sinn für Humor und konnte vor allem sehr herzhaft lachen, selbst wenn die Anlässe – meist triste Entwicklungen in den Philippinen – nicht unbedingt zur Fröhlichkeit verleiteten.

Als Fidel den langjährigen NDFP-Delegationsleiter bei den Friedensverhandlungen mit den unterschiedlichen Regierungen in Manila, Luis Jalandoni, ablöste, schoss mir sofort in den Kopf, dass da wahrlich eine „revolutionäre Trinität“ am Werke war. Fidel, der sehr ernst und hart bei Verhandlungen auftreten konnte, wurde flankiert vom stets väterlich wirkenden, einfühlsamen Luis auf der einen und Joma Sison, dem ideellen Gesamtintellektuellen und Ideologen der NDFP/CPP/NPA, auf der anderen Seite. Ich überlasse es den Kasuisten innerhalb der revolutionären Bewegung, darüber zu befinden, wer im Rahmen dieser recht charmanten „Trinität“ nun den Vater, den Sohn oder den Heiligen Geist repräsentierte.

Maraming, maraming salamat po, werter Fidel, für all‘ die geteilten gemeinsamen Momente. Dein Wirken und deine Taten werden weiterleben im politischen Engagement zahlreicher Sozialaktivisten und Revolutionäre, die prinzipienfest für freie, wirklich demokratische und unabhängige Philippinen streiten. Salve & Cheerio, dear Fidel!

Dr. Rainer Werning, social & political scientist/author – Cologne, Germany

Ein letztes Lebewohl für den Genossen Fidel Agcaoili – von Rainer Werning